26.01.2020

Die Moses Mendelssohn Stiftung plant in Wolfenbüttel den Umbau der Samsonschule zu einem Studentenwohnheim sowie 70 Neubauwohnungen

Erinnerungsort


Rund 150 Studierende können ab Ende 2023 in dem restaurierten historischen Schulgebäude wohnen / Zudem entstehen auf dem benachbarten Parkplatz vier Mehrfamilienhäuser / Bauausschuss der Stadt stimmt der Schaffung von Baurecht zu / Besondere Beziehung der Moses Mendelssohn Stiftung zur Stadt Wolfenbüttel dank des Dichters Gotthold Ephraim Lessing

Wolfenbüttel/Potsdam/Halberstadt/Hamburg, 19. Februar 2020 – Die historische Samsonschule in Wolfenbüttel wird bis Ende 2023 saniert. Rund 150 geförderte Apartments für Studenten entstehen in dem denkmalgeschützten Gebäude. Auf der benachbarten bisherigen Parkplatzfläche werden vier Mehrfamilienhäuser mit rund 70 Wohnungen gebaut. Initiatorin des Projektes im Norden Wolfenbüttels ist die gemeinnützige Moses Mendelssohn Stiftung, die sich der Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes verschrieben hat. Als Investor fungiert eine Tochtergesellschaft der Stiftung. Umgesetzt wird das Bauvorhaben am Neuen Weg in unmittelbarer Nähe des Städtischen Klinikums in den kommenden Jahren von NORD PROJECT aus Hamburg, einem langjährigen Kooperationsunternehmen der Stiftung.

Am gestrigen Dienstag hat der Ausschuss für Bau, Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Wolfenbüttel dem Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan zugestimmt. Am 2. März steht dann noch die Entscheidung im Rat an. So können die Moses Mendelssohn Stiftung und die Projektentwickler mit den Detailplanungen für die Grundstücke beginnen. „Für Wolfenbüttel ist das Projekt ‚Quartier Samsonschule‘ von herausragender Bedeutung“, sagt Bürgermeister Thomas Pink: „Die Samsonschule gehört mit ihrer vor fast 250 Jahren beginnenden Geschichte zu unserem besonderen Erbe. Umso erfreulicher ist es, dass in dem neuen Quartier etwas entsteht, das für die Entwicklung der Stadt und die Bürger aktuell sehr wichtig ist: Wohnraum für insgesamt rund 300 Menschen.“

Vorbild für das Miteinander der Kulturen

Die Samsonschule wurde 1786 vom Hofbankier Philipp Samson als Talmud-Thoraschule gegründet, die vor allem ärmeren jüdischen Glaubensgenossen zu höherer Bildung verhalf. Im 19. Jahrhundert folgte die Entwicklung zu einer angesehenen jüdischen Freischule, in derjüdische wie christliche Schüler unterrichtet wurden. „Mit diesem Konzept war dieSamsonschule bis in die 1920er Jahre vorbildlich für das Miteinander der Religionen undKulturen“, erläutert Professor Julius H. Schoeps, Vorstand der Moses Mendelssohn Stiftung: „Dieses Erbe wollen wir für zukünftige Generationen bewahren, indem wir mit diesem Projekt den verschiedenen Religionen und Kulturen Raum geben, sich zu entfalten.“ Das ursprüngliche Gebäude der Schule bleibt deshalb als deutsch-jüdisches Kulturdenkmal erhalten, mit Veranstaltungs- und Gemeinschaftsräumen sowie einer Ausstellungsfläche. Dort gibt es die Möglichkeit, die wechselvolle Geschichte dieses außergewöhnlichen Schultyps zu präsentieren. Schoeps: „Damit wollen wir die Erinnerung an ein wichtiges Kapitel deutsch-jüdischer Beziehungsgeschichte wachhalten“. Mit dem Projekt „Quartier Samsonschule“ will die Moses Mendelssohn Stiftung darüber hinaus ein Zeichen setzen. „Träume müssen nicht Träume bleiben“, so Schoeps: „Mit dem Projekt wollen wir deutlich machen, dass auch in Zukunft ein friedliches Miteinander und Zusammenleben der Menschen und Kulturen möglich ist“.

Da die Moses Mendelssohn Stiftung im nur 50 Kilometer entfernten Halberstadt ebenfalls seit inzwischen 30 Jahren aktiv ist – unter anderem mit der Moses Mendelssohn Akademie und dem Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur – plant der Vorstand eine enge Zusammenarbeit beider Standorte. Schoeps: „Zu Wolfenbüttel hat die Moses Mendelssohn Stiftung eine enge Beziehung.“ Der Philosoph Moses Mendelssohn und der Dichter Gotthold Ephraim Lessing, der zwischen 1777 und 1781 in Wolfenbüttel lebte und dessen Wohnhaus heute das bekannte Lessing-Museum beherbergt, waren ein Leben lang beste Freunde. Während seiner Zeit in Wolfenbüttel schrieb Lessing sein weltberühmtes Werk „Nathan der Weise“ und setzte damit seinem Freund ein literarisches Denkmal: Die Figur des integren und gebildeten Nathan trägt deutlich Moses Mendelssohns Züge.

Großer Wohnraumbedarf der rund 6000 Studierenden in Wolfenbüttel

Die rund 150 Studentenapartments in der Samsonschule werden in der Stadt dringend benötigt, da es für die  ca. 6000 jungen Menschen am Studienort Wolfenbüttel der Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften – an passenden Unterkünften mangelt. Diese Nachfrage hat als wissenschaftlicher Berater des Projektes auch das Moses Mendelssohn Institut in einer detaillierten Analyse des Wohnungsmarktes der Stadt bestätigt. Die jeweils rund 20 Quadratmeter großen Apartments in der Samsonschule werden als besonderer Standortvorteil nahe zur Hochschule liegen. Die Moses Mendelssohn Stiftung wird ein Förderdarlehen für das Studentenwohnheim beantragen und hat das Projekt bei der NBank bereits vorgestellt. Durch dieses finanzielle Konzept zahlen die Studierenden nur rund 250 Euro Kaltmiete für einen Wohnplatz. „Das ist ein Betrag mit dem die jungen Leute gutkalkulieren können“, sagt Projektentwickler Gerrit M. Ernst, Geschäftsführer von NORD PROJECT. Das Förderdarlehen, das über den kompletten Zeitraum diese günstigen Mieten garantiert, läuft über 20 Jahre. Die Unternehmensgruppe hat bereits mehrere geförderte Studentenwohnheime errichtet.

Stimmiges Ensemble mit klassischer Komponente

Um mit der historischen Samsonschule ein stimmiges Ensemble zu schaffen, werden die geplanten Wohngebäude klassische Elemente der Moderne aufnehmen und im Zusammenspiel mit der Umgebung interpretieren. „Besonderen Wert werden wir dabei auf ein freundliches, wohnliches Fassadenbild legen – mit einer leichten Strukturierung in der hellen Fassadenoberfläche und einem Klinkersockel“, erläutert Projektentwickler Ernst. Ebenfalls sind dort großzügige Grünflächen und ein Spielplatz geplant. „Auch diese attraktive Gestaltung des Quartiers ist für unsere Stadt sehr wichtig, um dort eine hohe Lebensqualität zu schaffen“, betont Bürgermeister Thomas Pink.