05.01.2020

NS-Kunstraub auf Grundlage des Bestandes des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg

Provenienzforschung/Restitution


In Kooperation mit dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv

Koordinatorin: Dr. Irena Strelow

Laufzeit: ab 2019

Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam sind die personenbezogenen Akten des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg als Massenquelle überliefert, dazu zählen unter anderem 41 631 Akten der »Vermögensverwertungsstelle«. Dieser Bestand dokumentiert die sogenannte Verwertung beschlagnahmten jüdischen Eigentums von 1933 bis 1945.

Zahlreiche Dokumente beziehen sich auf Kunst- und Kulturgüter. Von 2016 bis 2018 wurden über dreißig vertiefende Einzelfallstudien dazu durchgeführt. Der Bestand dokumentiert den Vermögensraub von Emigranten in ca. 14 000 Fällen und die Verwertung der letzten Habseligkeiten in ca. 28 000 Fällen. Während die Akten von Emigranten vielfach umfangreichen Kunstbesitz überliefern, enthalten die Vermögenserklärungen der kurz vor ihrer Deportation Stehenden bestenfalls noch wenige Bücher. Wie sich zeigte, führen Forschungen in diesem Bestand zur Lokalisierung von NS-Raubkunst in öffentlichen Einrichtungen und zur Identifizierung des Vorbesitzers. Sie sind in der Lage, Provenienz-Lücken zu schließen und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Restitution von Kunst und Kulturgütern.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Julius H. Schoeps und Dr. Irena Strelow wird Moses Mendelssohn Stiftung (MMS) 2019 in enger Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA), den Bestand digital erfassen und auswerten.

Das mehrjährige Projekt untersucht die systematische Verwertung von beschlagnahmten Kunst- und Kulturgütern mit dem Ziel, Hinweise zu heutigen Standorten zu erlangen. Eine parallele Prozess-Steuerung von Daten-Erfassung, Kategorisierung, Controlling und Auswertung soll sicherstellen, dass möglichst von Projektbeginn an Ergebnisse erarbeitet und an die öffentlichen Einrichtungen und Museen weitergegeben werden, welche nach Aktenlage während des Nationalsozialismus Kunstobjekte aus jüdischem Besitz erworben haben.