12.12.2019

Kranzniederlegung für Lazarettarzt Dr. Julius Schoeps

Gedenktag


Foto: SanReg1, Blücher-Kaserne Berlin

 

Gedenken an Oberstabsarzt Dr. Julius Schoeps (1864-1942)

Die Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregiments 1 Führungsbereich Berlin gedenken im Dezember eines jeden Jahres an den Todestag von Oberstabsarzt Dr. Julius Schoeps (1864-1942).

Am 12. Dezember 2019 fand die Kranzniederlegung in der Blücherkaserne in Berlin-Kladow in Anwesenheit des Enkels Prof. Dr. Julius H. Schoeps statt.


Zur Biografie:
[Julius Schoeps senior]



Julius Schoeps wurde am 5. Januar 1864 im westpreußischen Neuenburg (heute: Nowe in Polen) geboren. Nachdem er das Studium der Medizin mit der Promotion abgeschlossen hatte, ließ er sich 1891 in Berlin nieder. Über 40 Jahre lang praktizierte er im Bezirk Kreuzberg als Allgemeinmediziner sowie Geburtshelfer. Dr. Julius Schoeps, der den preußischen Ehrentitel „Sanitätsrat“ trug, war bei seinen Patienten sehr beliebt: Er stand ihnen nicht nur im Krankheitsfall, sondern auch in allen anderen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite.

Am 18. Februar 1908 heiratete Dr. Julius Schoeps die 22 Jahre jüngere, aus Brandenburg an der Havel gebürtige Käte Frank, die – wie auch er – jüdischer Herkunft war. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Hans Joachim und Konrad, die Dr. Julius Schoeps im preußischen Geiste erzog. Die vierköpfige Familie wohnte in der Kreuzberger Hasenheide 54, wo sich auch die Praxisräume befanden.

Dr. Julius Schoeps hatte ein Jahr lang als Freiwilliger im 2. Garde-Dragoner-Regiment „Kaiserin Alexandra von Russland“ in Berlin Militärdienst geleistet. Dem Regiment blieb er auch nach Ende seiner Dienstzeit treu verbunden: Bis zu seinem erzwungenen Ausschluss im Jahre 1933 war er Mitglied im Verein der ehemaligen Regimentsteilnehmer.

Während des Ersten Weltkriegs leitete Dr. Julius Schoeps als Stabsarzt Feldlazarette in Berlin und im ostpreußischen Prostken. Auch über das Kriegsende hinaus – bis zum Jahr 1920 – behandelte er versehrte Soldaten im Feldlazarett in Berlin-Mariendorf, wo er erneut eine Leitungsposition ausübte. 1920 wurde Dr. Julius Schoeps zum Oberstabsarzt der Reserve befördert.

Als die Nationalsozialisten Dr. Julius Schoeps 1938 den Arzttitel entzogen und er fortan als „Krankenbehandler“ nur noch jüdische Patienten behandeln sollte, entschied er, seine Praxis aufzugeben. Im gleichen Jahr zog das Ehepaar Schoeps in die Bismarckstraße 67 in Charlottenburg. Zu diesem Zeitpunkt war ihr jüngerer Sohn bereits verstorben; Hans Joachim Schoeps, promovierter Religionshistoriker und -philosoph, hatte seinerseits 1938 nach Schweden emigrieren können.

Dr. Julius Schoeps lehnte eine Auswanderung aus Deutschland zunächst ab. 1939 erwog er sogar, sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Als es Sohn Hans Joachim schließlich gelungen war, seine Eltern zur Emigration zu überreden, war es bereits zu spät. Juden durften seit Oktober 1941 nicht mehr aus Deutschland auswandern.

Am 4. Juni 1942 wurde Dr. Julius Schoeps mit dem 2. „Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Seine Ehefrau begleitete ihn freiwillig. Am 27. Dezember 1942 starb der 78-jährige im Lager an einer nicht behandelten Urämie. Käte Schoeps wurde am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Dort verliert sich ihre Spur.

(Biografische Zusammenstellung: Lorraine Bluche, Stolperstein-Projekt)